Bibelstunde

Buch 1 – “Moos es.” – sprach der Autor zu seinem Agenten. “Ja was denn?” fragte der Agent zu Recht auf seinen leeren Schreibtisch pochend. “Leg mir was vor! Am besten was mit Eiern, ich hab auch eine Familie zu ernähren, und die ist ebenso hungrig wie deine!” – “Kein Problem,” sprach der Autor. “Ich hab da eine ganze Legebatterie, die wartet nur auf ein paar Krümel, dann werden Eier gelegt.” – “Na worauf wartest du dann noch?”

Gutenberg-Bibel
Gutenberg-Bibel, fotografiert von NYC Wanderer

Daraufhin zog sich der Autor zurück, und es ward licht. Auf seinem Kopfe. Vom “sich die Haare raufen”. „Gut, dass die Sonne noch nicht zu hoch steht, sonst fange ich mir einen Sonnenbrand auf der Glatze ein, wie damals.“ sprach er zu sich selbst, glücklicherweise im Ausland, sonst hätte man ihn weg gesperrt, weil er selbst Gespräche führte, in wechselnden Rollen, und diese zudem für die Nachwelt protokollierte.

Verzeiht die bekloppte Einleitung zu der ich mich habe verleiten lassen, weil ich euch berichten wollte, wie bei mir in den vergangenen 12 Tagen der Knoten platze, und ich die erste Drehbuchfassung des Pilotfilms in die Tastatur tippte. Ja, bald ist sie hier online. Noch ein/zwei Tage feilen, dann landet es zunächst in der Schreibstube, und dann bei euch. Notiert euch die Iden des März im Kalender, dann könnt ihr uns in den Rücken fallen den Rücken stärken.

Was das mit Bibeln zu tun hat? Nun, jede Serie, die etwas auf sich hält hat eine. Zwei, um genau zu sein. Altes und Neues Testament? Nein. Eine für das Marketing, eine als Leitfaden für die Autoren. So betrachtet ist diese ganze Seite natürlich schon eine Bibel, eine Fundgrube sondergleichen mit allem Pipapo. Aber wie einige von euch beklagt haben, ein richtiges Bild kann man sich so nicht machen. Was fehlte war der rote Faden, an dem man alle anderen Handlungsstränge auffädeln konnte. Nur wie sollte der aussehen?

Die Lösung war erstaunlich naheliegend. Vor drei Wochen begann ich an einem Text mit dem Titel „Ein Leben in Woipating“ zu arbeiten. Der Versuch ein Leben von der Wiege bis zur Bahre zu formulieren, lies mir diese Parallelgesellschaft zum ersten Mal plastischer erscheinen, als jemals zuvor. Leerstellen zeigten sich schneller als mir lieb war, manche übersprang ich, andere ergaben sich logisch, einige warfen neue Fragen auf. Dann machte es Klick, denn man muss nicht die Leerstellen alle sofort ausfüllen, man kann auf den Felsen dazwischen hin und her springen, Hauptsache man hat dort einen festen Halt. Die Leerstellen erzeugen automatisch die Spannung, aber die festen Elemente geben einem endlich den nötigen Halt. So konnte ich mich dann problemlos ins Abenteuer des Drehbuchschreibens stürzen.

Und ins Ungewisse gestürzt habe ich mich, denn außer der in den Kommentaren zum letzten Beitrag erwähnten Frau mit Zwillingen, fern der Heimat sowie der neuen Lokalität hatte ich nahezu nichts. Ich wußte, dass ich das erste Bild im Dunkel, im Wald haben wollte, und genau damit fing ich an. Dann schrieb ich chronologisch weiter und staunte nicht schlecht, was dabei entstand. Nach drei Tagen hatte ich einen groben Bogen, und statt weiter zu schreiben, zog es mich zu einzelnen Szenen zurück, die ich überarbeitete, und die zum Teil eine ganz neue Richtung bekamen. Dann las ich noch hier und da einen Artikel, schlug was nach… und dann ging es langsam weiter voran. Vor allem weil plötzlich Ideen auftauchten, die sich auf den weiteren Verlauf der Staffel bezogen. So sprang ich zwischen immer mehr Dokumenten hin und her, und hatte langsam das Gefühl gar nicht mehr richtig voran zu kommen. Dabei braucht es nur Geduld und Vertrauen. Heute bin ich weit genug um zu sagen, der Anfang ist gemacht, und ich platze vor Neugier zu erfahren, was ihr davon halten werdet.

Die Bibeln behalte ich allerdings zunächst noch für mich. Dafür möchte ich euch aber in der Zwischenzeit ein paar andere zum Lesen anbieten, damit ihr euch einen Eindruck von dem Format an sich bilden könnt. Hier ist zum Beispiel jenes von LOST, und hier das von FREAKS AND GEEKS, das unterschiedlicher kaum sein könnte. Noch ein Beispiel? Wie wär’s mit… THE WIRE? Das Schöne daran ist: Es gibt keine Regeln zum Schreiben der Bibel. Nicht mal 10 Gebote, sondern höchstens eins: Man sollte eine Schreiben. Und wenn sie nur dazu dient die Fragen, die man selbst hat zu beantworten. Und so lange nichts in Stein gehauen ist, kann man ja nachbessern.

Das Warten auf das erste Buch hat bald ein Ende.

Darauf habt ihr mein Wort.

Steht so in der Bibel.

Geschrieben.

3 Gedanken zu „Bibelstunde

    • Freut mich, gern geschehen ^^
      Das Drehbuch ist für die KollegInnen intern schon seit Freitag online, und vermutlich übermorgen stelle ich die Vorab-Marketing-Bibel-Version online, und dann sollte es eigentlich zügig voran gehen, ehe wir den Kreis öffentlich erweitern. Spitz also schon mal Zunge und Bleistift :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Protected with IP Blacklist CloudIP Blacklist Cloud