Bibelstunde

Buch 1 – “Moos es.” – sprach der Autor zu seinem Agenten. “Ja was denn?” fragte der Agent zu Recht auf seinen leeren Schreibtisch pochend. “Leg mir was vor! Am besten was mit Eiern, ich hab auch eine Familie zu ernähren, und die ist ebenso hungrig wie deine!” – “Kein Problem,” sprach der Autor. “Ich hab da eine ganze Legebatterie, die wartet nur auf ein paar Krümel, dann werden Eier gelegt.” – “Na worauf wartest du dann noch?”

Gutenberg-Bibel
Gutenberg-Bibel, fotografiert von NYC Wanderer

Daraufhin zog sich der Autor zurück, und es ward licht. Auf seinem Kopfe. Vom “sich die Haare raufen”. „Gut, dass die Sonne noch nicht zu hoch steht, sonst fange ich mir einen Sonnenbrand auf der Glatze ein, wie damals.“ sprach er zu sich selbst, glücklicherweise im Ausland, sonst hätte man ihn weg gesperrt, weil er selbst Gespräche führte, in wechselnden Rollen, und diese zudem für die Nachwelt protokollierte.

Verzeiht die bekloppte Einleitung zu der ich mich habe verleiten lassen, weil ich euch berichten wollte, wie bei mir in den vergangenen 12 Tagen der Knoten platze, und ich die erste Drehbuchfassung des Pilotfilms in die Tastatur tippte. Ja, bald ist sie hier online. Noch ein/zwei Tage feilen, dann landet es zunächst in der Schreibstube, und dann bei euch. Notiert euch die Iden des März im Kalender, dann könnt ihr uns in den Rücken fallen den Rücken stärken.

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Umleitungen

Wenn der Weg das Ziel ist, dann ist es nicht so schlimm, wenn man unterwegs mal vom Weg abkommt. Ganz im Gegenteil, wenn man Vince Gilligan glauben schenken möchte, der dazu rät solche „curveballs“, die einem das Leben zuwirft anzunehmen. Es muss ja nicht wie bei George RR Martin auf den Nebenstrecken endlos ausufern, selbst wenn die ebenfalls meist recht gelungen sind – gekommen und geblieben sind wir wegen der Haupthandlung.

Baumlicht
Licht und Schatten

Was ist geschehen? Es dürfte niemandem entgangen sein, dass ich in Bayern derzeit besser dem Gras beim Wachsen zuhören sollte, als mich auf die Suche nach Partnern zu machen, mit denen man „Woipating“ dort aus der Taufe heben könnte. Keine Sorge, das ist immer noch der Plan, denn die Geschichte gehört in den Bayrischen Wald – zu viele Verbindungen unserer Geschichte haben dort bereits ihre Wurzeln geschlagen, also müssen wir früher oder später dorthin. Aber eben nicht unbedingt gleich jetzt, sofort.

Glücklicherweise hatten wir hier ja bereits diskutiert, dass es mehrere Orte geben könnte/sollte, auf die ähnliche Eigenschaften zutreffen wie in „Woipating“, Schwestergemeinden und Partnerdörfer, die miteinander in losen Kontakt stehen, wie ein geheimes Netzwerk. Ebenfalls kommt uns der Umstand zu Hilfe, dass wir bereits den Titel in das deutlich flexiblere und geheimnisvollere W. geändert haben. Und siehe da: Jetzt erweisen sich genau diese (und weitere) Umstände als Glücksfall.

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Utopie

Hirngespinst. Wunschdenken. Zukunft. Das assoziieren viele zuerst mit dem Begriff Utopie, und greifen dabei viel zu kurz:

Eine Utopie (…) ist der Entwurf einer fiktiven Gesellschaftsordnung, die nicht an zeitgenössische historisch-kulturelle Rahmenbedingungen gebunden ist. wikipedia

W. ist genau das, nämlich der Entwurf einer fiktiven Gesellschaftsordnung, die in zeitgenössische, historisch-kulturelle Rahmenbedingungen eingebettet ist. Nun mögen unsere Gemeinschaft und unser Ort erfunden sein, aber sie entspringen nicht allein unserer Phantasie und unserem Wunschdenken, sondern basiert auf einem von uns zusammengestellten „best-of“ all jener Gesellschaftsformen, die es gab und gibt. Unser häufigster Denkfehler dabei ist, dass wir unsere Gegenwart für die am höchsten entwickelte Zeit halten, weil wir leben, und andere Gesellschaftsformen untergegangen sind. Das mag für manche gelten, aber es gibt jetzt, hier und heute auf unserem Planeten weit mehr verschiedene Formen des Zusammenlebens, als uns bewusst ist. Die meisten davon machen viel weniger Krach als unsere, weswegen man sie leicht übersieht.

Das werden wir ändern.

Dabei ist unser Blick nicht nur auf abgelegene Indio-Gesellschaften am Ende der Welt und in den Urwäldern gerichtet, sondern ebenso in die Vergangenheit. Nicht nur hat es dort von Hochkulturen gewimmelt, die uns heute noch Rätsel aufgeben, sondern auch solche, die uns in mancherlei Hinsicht überlegen waren. Wer ein bisschen mehr hinein schnuppern will, dem sei Kollaps von Jared Diamond empfohlen, bzw. dieser TED-Talk von ihm als Teaser für all jene, die nicht so viel lesen wollen.

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Fahrplan

Ziehen wir kurz Bilanz – seit ca. 2 Monaten brummt es in und um unseren writers‘ room herum. Einerseits komme ich mit der Verwaltung der Ideen und Einflüsse kaum hinterher, andererseits machen sich erste Ermüdungserscheinungen breit. Eine Mehrheit würde lieber konkreter an Szenen und dem Plot arbeiten, und genau damit beginnen wir im neuen Jahr. Vorher wollte ich euch nur einen kurzen Ausblick auf das weitere Vorgehen geben:

Fahrplan
Blick in die Ferne

Nächste Woche gibt es noch einen letzten allgemeiner gehaltenen Artikel, den bevorstehenden Feiertagen entsprechend groß bzw. größenwahnsinnig angelegt. Noch etwas Geduld, dann erscheint das bisher Erreichte und Diskutierte vielleicht noch mal in einem ganz anderen Licht.

Aber wie geht es danach weiter?

Ab Januar beginnt die konkrete Arbeit am Plot und konkreten Szenen, sowie an „werberelevantem Material“. Denn die Welt, die wir entworfen haben, kennt nicht nur „Woipating“, sondern durchaus auch Nebenschauplätze, die in Webisodes auserzählt werden, und Lust auf mehr machen sollen. Das ist nicht nur ein Teaser für das Hauptwerk, sondern ebenso eine Erprobung verschiedener ästhetischer Ansätze. Dabei setzen wir uns dem Feedback auf moviepilot aus, und diskutieren dort gemeinsam die Besetzung vor der Kamera, die Gespräche um das Personal dahinter werden längst geführt.

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Gleichgewicht

Wie sieht der typische, erwartete Tagesablauf einer Familie in unserer heutigen Gesellschaft aus? ELTERN von Robert Thalheim gibt ein paar Hinweise, zeigt die Zerreißprobe, wenn man immer noch allen Ansprüchen Gerecht werden will, und man ahnt wie aufreibend (und erfüllend) es sein kann, Kinder zu haben:

Aber fassen wir mal zusammen: Die Einteilung beginnt mit der Unterscheidung in Arbeitstage und Wochenende, in Arbeit und Freizeit. Letztere wird aufgeteilt in Zeit die man Dinge “erledigt”, die “getan werden müssen”, Mahlzeiten einnehmen und wieder los werden, Essen kaufen, sowie vielleicht was mit Freunden unternehmen, Sport treiben, Kultur konsumieren, Sex, in einer Band oder einem Verein spielen, ein Buch lesen, Fernsehen, und immer unwahrscheinlicher: sich mal langweilen und in sich hinein hören. Keine Zeit, keine Lust für größere Zusammenhänge, nennen wir das mal Politik, oder unbelasteter Engagement. Habe ich was vergessen?

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